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Das Für und Wider der Stundenastrologie

Ein Interview der Sternwelten-Redaktion mit Mona Riegger. 

Sternwelten-Redaktion
: Mona, neben der Partnerschaftsastrologie gehört auch die Stundenastrologie zu deinen Spezialgebieten. Diese Methode ist ja nicht unumstritten, vor allem bei psychologisch orientierten AstrologInnen, zu denen du dich ja auch zählst. Warum beschäftigst du dich damit?

Mona: Die Stundenastrologie fasziniert mich ganz einfach. Sie ist für mich ist sie eine der spannendsten Methoden, die die Astrologie zu bieten hat, weil sie Einblicke in ein aktuelles Geschehen ermöglicht, die mit anderen Techniken so nicht möglich sind. Ich kann mir zwar anhand der Transite und Progressionen zu einem Radix-Horoskop oder auch anhand eines Solars einen Überblick über die Themen verschaffen, mit denen sich der Horoskopeigner auseinandersetzen wird, doch wenn mich der Betreffende fragt, ob seine Bewerbung um eine ganz bestimmte Stelle Erfolg haben wird oder ob er in den nächsten drei Monaten eine Wohnung findet, kann ich das mit Hilfe der Stundenastrologie ziemlich klar und eindeutig beantworten.

Sternwelten-Redaktion: Hat diese Eindeutigkeit nicht etwas Orakelhaftes oder gar Deterministisches?

Mona: Ich verstehe, dass man das so sehen kann. Auch ich hatte damit die größten Schwierigkeiten, als ich anfing, mich mit der Stundenastrologie zu befassen. Schließlich bin ich davon überzeugt, dass es einen freien Willen gibt und dass es für jeden Menschen das höchste Gut sein sollte, sich stets weiterzuentwickeln und seine Potentiale entfalten zu können. Doch die Fragen eines Menschen, die mit Hilfe der Stundenastrologie beantwortet werden können, sind schon Ausdruck einer Weichenstellung, die der Fragende im Vorfeld selbst vorgenommen hat. Das heißt, ich sehe im Stundenhoroskop nichts anderes als Antworten oder Ergebnisse einer Entwicklung, die unbewusst schon vorhanden, aber noch nicht ins Bewusstsein gedrungen sind. Wenn mir jemand eine Frage stellt, gibt er mir sozusagen die Erlaubnis, den Weg der Bewusstwerdung für ihn abzukürzen.

Sternwelten-Redaktion: Es geht bei der Stundenastrologie also vorwiegend um Fragen-Beantwortung?

Mona: Nein, nicht nur. Man kann sehr viel mehr als Fragestellungen stundenastrologisch untersuchen. Die Wahl eines günstigen Zeitpunktes für ein Vorhaben oder jede Art von Begegnungen sind ebenfalls ein äußerst spannendes Feld. (Siehe hierzu auch Partnerschaftsastrologie, Teil 2)
Eine Freundin von mir hatte z.B. vor ein paar Tagen eine Verabredung mit einem Mann. Als sie mir am Telefon davon erzählte, erwähnte sie beiläufig die Zeit der Verabredung und ich schaute mir das Horoskop spaßeshalber mal an. Leider sah ich darin, dass die Begegnung nicht zustande kommt. Es war dann auch so. Der Mann ist nicht erschienen und sie hat eine ganze Weile umsonst gewartet.

Sternwelten-Redaktion: Hättest du das deiner Freundin nicht vorher sagen können?

Mona: Nee, warum auch? Sie hat mich erstens nicht gefragt und außerdem schaue ich mir solche privaten Begegnungshoroskope einfach nur zu eigenen Studienzwecken an. Jedes Begegnungshoroskop ist anders, die Planeten am Himmel, die Achsen, die Häuser, die Aspekte, alles verändert sich permanent und das Wichtigste ist, wenn man sich mit Stundenastrologie beschäftigt, dass man so viele Erfahrungen wie möglich sammelt. Die Technik an sich ist nicht so schwer zu lernen, aber in der Praxis wird man dann mitunter mit etlichen Widersprüchlichkeiten konfrontiert, so dass es gerade Anfängern schwer fällt, zu klaren Aussagen zu kommen.

Sternwelten-Redaktion: Du unterrichtest auch Stundenastrologie. Ist das nicht eine schwierige Gratwanderung zwischen einem mehr psychologisch orientierten Deutungsansatz und einem ereignisorientierten hin- und herzupendeln?

Mona: Wenn ich eine Ausbildungsgruppe von Anfang an unterrichte, verlege ich die Unterrichtseinheit Stundenastrologie schon in das letzte Drittel der Ausbildung. Obwohl man, um stundenastrologisch deuten zu können, eigentlich lediglich den Tierkreis, die Planeten, die Häuser und die Aspekte kennen muss. Was für manche aber oft zu Beginn des Unterrichts irritierend ist, ist dieses Schwarz-Weiß-Denken, das zunächst notwendig ist. Wenn die Antwort auf eine Frage nur Ja oder Nein sein kann, dann muss man eben - gemäß der stundenastrologischen Deutungsregeln - bei einem Mond-Saturn Quadrat zu seinem Nein kommen. Da spielt es primär keine Rolle, ob sich hinter der Frage vielleicht ein ungelöstes Problem mit der Mutter verbirgt.

Sternwelten-Redaktion: Spielt der psychologische Ansatz in der Stundenastrologie denn dann gar keine Rolle?

Mona: Psychologisches Feingefühl ist sehr wohl gefragt, doch eher bei der Art, wie man die Antwort dem Fragenden vermittelt. Vor allem dann, wenn er sich eine andere Antwort erhofft hat. Das kann mitunter recht schwierig sein. Auch die Frage, ob man überhaupt stundenastrologisch berät, selbst wenn man es könnte, ist durchaus berechtigt. Ich persönlich habe mich dagegen entschieden, Praxiszeiten einzuführen, bei denen man mich lediglich anrufen kann, um stundenastrologische Fragen zu stellen. Man übernimmt in diesem Moment doch sehr viel Verantwortung und kann selten abschätzen, wie ein Mensch auf eine Antwort letztlich reagiert.
Ähnlich verhält es sich beim Unterrichten von Stundenastrologie. Ich halte ja auch Wochenend-Seminare und vermittele den TeilnehmerInnen eine Methode, mit der sie anschließend selbst Fragen beantworten oder Begegnungshoroskope deuten können. Die Faszination und Begeisterung, die damit einhergeht, ist jedes Mal aufs Neue in den Gruppen spürbar. Spätestens nach einem Unterrichtstag, wenn die Deutungsregeln vermittelt sind, es ans Üben und Anwenden geht und erste Erfolge - sprich: die richtige Antwort - gefunden wurde. Wenn sich dann am zweiten Tag die "richtigen Antworten" häufen, kann sich schnell eine Art Machtgefühl einstellen, nach dem Motto: "Ich weiß alles! Ich kann ab sofort jede Frage beantworten!" Das funktioniert zum Glück aber so nicht.

Sternwelten-Redaktion: Und warum nicht?

Mona: Weil sich erfahrungsgemäß spätestens dann, wenn man nach einem Wochenend-Seminar alleine über einem Stundenhoroskop brütet, Wissenslücken auftun, die sich nur durch stetiges Tun und Sammeln von vielen Deutungserfahrungen schließen lassen. Ich empfehle deshalb immer, dass die TeilnehmerInnen später Arbeitsgruppen bilden, um sich gegenseitig auszutauschen und von den jeweiligen Erfahrungen der anderen zu lernen. Vielleicht wäre es auch keine schlechte Idee, auf Sternwelten eine Rubrik "Stundenastrologie" einzurichten, in der Stundenhoroskope vorgestellt werden, an Hand derer man üben kann?
Die Zahl der praktizierenden StundenastrologInnen steigt stetig, diese Methode gehört also längst nicht mehr in die astrologische Schmuddelecke.

Sternwelten-Redaktion: In Indien ist die Stundenastrologie weit verbreitet und auch in den USA arbeiten viele AstrologInnen damit. Warum gibt es im europäischen Raum so große Berührungsängste mit dem Thema Prognose?

Mona: Ich denke, da muss man differenzieren. In Indien hat die Astrologie insgesamt einen anderen Stellenwert als bei uns. Die Stundenastrologen in Indien werden auch deshalb häufig aufgesucht, weil sie ohne das Geburtsdatum und die Geburtszeit zu kennen, (das viele Inder ja selbst nicht wissen), zu wirklich frappierenden Aussagen über die Vergangenheit und die Zukunft des Ratsuchenden gelangen. Sie machen in diesem Fall einfach ein Stundenhoroskop auf den Zeitpunkt der Begegnung mit dem Klienten und wissen, dass in diesem Augenblick alles enthalten ist, was für den Ratsuchenden wichtig ist.
In den USA gibt es - so langsam aber sicher - an jeder Ecke einen Stundenastrologen, aber diese Entwicklung halte ich eher für fragwürdig, denn sie führt nicht selten dazu, dass Menschen noch nicht mal mehr einen Zahnarzttermin ausmachen, ohne vorher den Stundenastrologen zu befragen. Wenn die Astrologie als Krücke missbraucht wird, die durch den Alltag geleiten soll, finde ich das nicht mehr lustig. Dass die Möglichkeiten der Stundenastrologie diesen Missbrauch fördern können, steht außer Frage. Genau aus diesem Grunde appelliere ich immer wieder an meine Schülerinnen und Schüler, mit dieser Methode gewissenhaft umzugehen und sie nur zu nutzen, wenn die Fragen von Ratsuchenden einen ernsthaften Hindergrund haben.

Sternwelten-Redaktion: Mona, wir danken dir für dieses interessante Gespräch.

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