Der dritte Kentaur Nessus

Von Robert von Heeren

 Hier werden die Vorgeschichte und Gründe des Namensvorschlages von Astrologen für den 3. Kentauren Nessus erläutert. Der Vorschlag wurde von Astronomen offiziell angenommen. 


nessusNessus-Symbol

Im April 1997 hat die Internationale Astronomische Union (IAU) zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen Namensvorschlag von Astrologen für einen Kleinplaneten akzeptiert. Es handelt sich um den im April 1993 entdeckten 3. Kentauren "1993 HA2" (Entdeckungshoroskop), der gemäß dem Vorschlag von Dieter Koch, Zane Stein und mir jetzt offiziell "Nessus" heißt (lat. für griech. "Nessos"). Die offizielle Bekanntgabe der Benennung war am 22. April 1997 um 22h10m Weltzeit per weltweit versendeter EMail vom Smithsonian Astrophysical Observatory in Cambridge, USA-MA aus (siehe Abb 1: In diesem Horoskop steht Nessus bezeichnenderweise exakt an der 3. Häuserspitze).

Radix Benennung NessusAbb. 1 Radix Benennung Nessus (Nessos)

Nessus ist nun somit neben den beiden vorher entdeckten Kentauren Chiron (1977) und Pholus (1992) der dritte benannte Kentaur. Bei den Kentauren handelt es sich um eine kleine Gruppe von derzeit sieben außergewöhnlichen Kleinplaneten: sie sind weder herkömmliche Kometen, noch typische Asteroiden. Gleichzeitig besitzen sie teilweise Eigenschaften beider Klassen. Sie wandeln auf sehr unterschiedlichen und überwiegend besonders elliptischen Bahnen im äußeren Sonnensystem. Ihr Ursprung liegt höchstwahrscheinlich im Kuipergürtel jenseits der Neptun- und Plutobahn. Aus diesem wurden sie vor Jahrmillionen durch Neptun herausgerissen und in das Innere des Sonnensystems abgelenkt, wo sie dann im Lauf der Zeit die jetzigen Bahnen einnahmen. Sie berühren oder überkreuzen meistens die Bahnen der Hauptplaneten und haben dementsprechend lange Umlaufzeiten von 49 (Chiron) bis ca. 123 Jahren (Nessus).

Während unserer Arbeit am Buch über Pholus, kontaktierten Dieter Koch und ich die Entdecker von Pholus (und Nessus) David L. Rabinowitz und Jim Scotti per E-Mail. Zu unseren Fragen bezüglich den astronomischen Eigenschaften von Pholus und anderen jüngst entdeckten Kleinplaneten antwortete Scotti ausführlich. Während einer dieser EMail-Korrespondenzen äußerte Scotti damals seine Befürchtung, es könnten noch so viele Kentauren entdeckt werden, daß der Vorrat an Kentaurennamen aus der Mythologie möglicherweise nicht ausreicht. Wir recherchierten über 84 Kentaurennamen (dies zerstreute die Befürchtung), die wir am 31. Mai 1995 an ihn und auch an den Leiter des Minor Planet Center (Abteilung der IAU und weltweite Zentrale für Entdeckungen der Astronomie) Dr. Brian D. Marsden, der auch für Benennungen zuständig ist, schickten. In dieser E-Mail schlugen wir für den 3. Kentauren "1993 HA2" den Namen "Nessus" vor, weil uns der Kentaur aus folgenden Gründen dafür prädestiniert schien:


Die Bahn von "1993 HA2" verläuft sehr elliptisch zwischen Saturn und Pluto. nessus_bahn. Sie schlägt zwischen den beiden Planeten eine Brücke. "1993 HA2" führt aus der geregelten Welt Saturns in plutonische Sphären. Nessos' Mythologie hat engen Bezug zu plutonischen Themen: aus Rache für die tödliche Verwundung seines Herzens durch Herakles' Giftpfeil verursacht er noch im Todeskampf durch eine gemeine List dem großen griechischen Helden später (sozusagen als "Spätfolge") entsetzliche Schmerzen. Herakles merkt, daß sein Ende naht und opfert sich auf dem Scheiterhaufen. Dies führt schließlich zur Reinigung (vom irdischen Wahnsinn) und Himmelfahrt, Erlösung und Unsterblichkeit des Helden! Neben Chiron und Pholos ist Nessos der dritte und letzte Kentaur, der mit einer tiefgründigen und berühmten Mythologie ausgestattet ist. Sie hat seit je her viele Künstler inspiriert.

Die Reaktionen: Dr. Marsden bedankte sich für die Liste und leitete sie und den Namensvorschlag an die Benennungskommission weiter. Jim Scotti bedankte sich ebenfalls für die Liste, hatte aber Vorbehalte zu den Kentauren, wegen ihrer in der Mythologie oft krass geschilderten Wildheit und Neigung zur Gewalttätigkeit. Von Mitte 1995 bis Anfang 1997 war Sendepause. Es sah beinahe so aus, als würde man unserem Vorschlag nicht folgen. Im Februar 1997 ergriff der amerikanische Chironspezialist Zane Stein noch einmal die Initiative: er schickte Dr. Marsden Texte zu Nessos' Mythologie. Marsden antwortete daraufhin, daß er sich für die Benennung nach diesem Kentauren im April 1997 einsetzen werde. "1993 HA2" heißt jetzt offiziell Nessus.

Eine Kooperation zwischen Astronomen und Astrologen bei der Benennung von Planeten oder Kleinplaneten hat es bisher nicht gegeben. Interessanterweise ist es gerade bei den "Brücken"-Planeten der Kentauren zu einer kleinen, aber bedeutsamen Annäherung zwischen den beiden Disziplinen gekommen. Ohne die Offenheit und Unterstützung von Jim Scotti und Dr. Brian Marsden wäre dies nicht möglich gewesen.

Eine besondere Triade
Bei den Entdeckungs- und Benennungsgeschichten von Planeten sind oft merkwürdige "Zufälle" im Spiel gewesen. Z. B. berechnete der Astronom Percival Lowell auf der Basis von Störungen der Uranus- und Neptunbahn Plutos Position auf ca. 8° genau voraus. Später stellte man fest, daß Lowells Daten dafür gar nicht geeignet waren. Der Name "Pluto" wurde darüberhinaus aus über 100 Namensvorschlägen ausgewählt. Die Zeit war eben reif für die Entdeckung und Benennung Plutos. Ist nicht auch die "zufällige" Kentauren-Namensgebung Chirons etwas ähnliches?

Betrachtet man die Bahnen der drei zuerst entdeckten Kentauren Chiron, Pholus und Nessus genauer, fällt ein weiterer merkwürdiger "Zufall" auf: sie verbinden zuerst Saturn mit Uranus (Chiron), dann Saturn mit Neptun (Pholus) und schließlich Saturn mit Pluto (Nessus), - schön der Reihe nach von Saturns Schwelle im Inneren zu den geistig-überpersönlichen Gefilden Plutos. Sollten wir diese drei Erst-Kentauren nicht als in sich geschlossene Gruppe und in ihrer Bedeutung zusammengehörige Triade betrachten? Wahrscheinlich sind Pholus und Nessus ähnlich wie Chiron, jeder auf seine einzigartige und unverwechselbare Art, "Lehrer" für die Öffnung zum Transpersonalen hin.

Kentauren Forschungsprojekt
Die weitere Erforschung der Kentauren wird noch interessante Erkenntnisse zur tieferen Bedeutung der gesamten Kentaurengruppe bringen. Vielleicht werden die Kentauren sogar Uranus, Neptun und Pluto astrologisch in einem neuen Licht erscheinen lassen. Schließlich haben die drei Transsaturnier jetzt eigene "Boten" und "Schlüssel"! Auch die astrologische Bedeutung Chirons wird durch die Differenzierung gegenüber Pholus und Nessus wohl noch mehr an Klarheit gewinnen. Sich neuen Deutungsfaktoren zu stellen, ohne dabei "den Wald vor lauter Bäumen zu übersehen", ist zugegebenermaßen keine leichte Aufgabe. Angesichts der revolutionären Entdeckungen (seit 1992 42 noch unbenannte Transneptunier und -plutonier und 7 Kentauren) werden wir jedoch auf Dauer nicht an diesen Fragen vorbeikommen. Abgesehen davon: welcher Astrologe würde beim Anblick eines Kentauren z. B. in Konjunktion mit einer seiner Hauptachsen nicht aufhorchen und neugierig werden?

Da von allen neuen Planeten NUR die ersten drei Kentauren bisher benannt und damit "fassbar" gemacht wurden, liegt es nahe mit der Erforschung ihrer astrologischen Bedeutung konsequent fortzufahren. Um die Erforschung aller Kentauren zu fördern, möchte ich deshalb ein "Kentauren-Forschungsprojekt" initiieren, das interessierte Astrologen und Astrologinnen zur Beschäftigung mit einzelnen oder mehreren Kentauren anregen und gleichzeitig als Austausch- und Sammelstelle von Erfahrungen dienen soll.

Links:
Text in voller Länge veröffentlicht im Kentauren-Forschungsprojekt.
Kentaurenforscher Zane B. Stein.
Die Kentauren
Juno
 

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