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Haus 8 - der geheime Ort, sich verwandeln

Von Ulla Janaschek
 
 Im achten Haus stellt sich die Aufgabe, alle bisherigen gesammelten Erfahrungen so zu verwandeln, dass Raum für eine tiefe Einsicht in die Natur des Geistes entsteht. Damit dies geschehen kann, sind verschiedene Loslöseprozesse notwendig.
Im achten Haus steht nun eine nicht ganz einfache Prüfung an, nämlich das Leben und die geschaffenen Werte auf ihren Wahrheitsgehalt zu untersuchen. Normalerweise beschäftigt man sich mit dem Ansammeln: Man sammelt materielle Werte, Erfahrungen, Eindrücke und sucht diese zu bewahren, abzusichern und sie vor Angriffen zu schützen. Das Ich ist damit beschäftigt, an sich zu binden, sich zu binden und sich über die eingegangenen Bindungen zu identifizieren: Ich bin, was ich habe, was ich denke und was ich fühle. So bildet man Strukturen aus, die diese Identifikation bestätigen. Auf diese Weise verdichtet sich die Erlebniskette immer enger und reduziert sich auf subjektive, beschränkte Erfahrungen dessen, was man für sich als wahr erkannt hat. Das achte Haus rüttelt an dieser Wahrheit.
Verluste und Schatten
Nicht selten verliert man etwas “Wichtiges” und wird mit den verdrängten Gefühlen wie Eifersucht, Trauer, Hass, Habgier und Machthaberei konfrontiert. Das achte Haus stürzt das Ego erst einmal in eine Krise, indem es Raum für Erfahrungen gibt, die das Loslassen erfordern. Loslassen geschieht aber nicht, ohne dass man sich bewusst wird, wo man zu stark festhält. In jedem Menschen schlummern die sogenannten Schattenkräfte, unerlöste Instinktanteile der Persönlichkeit, die, weil sie im Verborgenen schlummern, nicht gern gesehen, sondern normalerweise mit den verschiedensten Rollen überspielt werden. Dennoch vermögen es die Schattenanteile aufgrund ihrer Unbewusstheit auf ganz subtile Weise dem Leben eine eindeutige Richtung zu geben, auch wenn sie für die Gesamtpersönlichkeit „falsch“ ist. Weil sie vom Ego nicht anerkannt werden, führen sie eine Art Eigenleben, die den Fluss des Lebens erheblich behindern können. Um ihnen begegnen zu können, braucht es Mut und die Einsicht, dass alles, was mir geschieht, die Projektion meines eigenen Geistes ist.
Ein einfaches Beispiel ist: Ich habe ein neues Auto und bin stolz darauf. Mein Ego identifiziert sich mit der Freude über den Besitz und beginnt, das Auto zu behüten, damit ihm nichts geschieht. Einige Tage später habe ich einen Unfall. Der andere ist schuld. Ich bin aufgebracht und sauer, weil er mir mein Auto zerstört hat und entwickle Rachegefühle und bringe ihn dazu, dass er mir den Schaden zahlt. Soweit, so gut, ein normaler Ablauf, der fair scheint. Versäume ich aber, die Verantwortung für meine “bösen” Gefühle, die der Rache, des Hasses, des Ärgers zu übernehmen, dann entkommen diese unter dem Deckmäntelchen des Gefühls, dass der andere ja schuld war und leben weiter in mir, mit dem Gefühl, Recht zu haben. Einige Wochen später geschieht ein zweiter Unfall, diesmal hat der andere wieder schuld und entkommt. Ich bekomme keinen Schadensersatz und meine Gefühle, die sich nicht von der ersten Situation unterscheiden, bleiben jetzt offen im Raum stehen, denn sie fühlen sich um die fairen Ausgleich betrogen. So wird meine geistige Haltung allmählich vergiftet und scheinbar ist wieder der andere schuld. Dabei übersehe ich, dass der Fehler schon zu Beginn entstanden ist, nämlich zu dem Zeitpunkt, als ich mich mit dem Gefühl identifizierte, dass “mein Auto” mir gehört. In Wahrheit ist das Auto zu mir gekommen ohne Garantie, dass es auch für immer bei mir bleibt. Es begleitet einfach nur eine Weile mein Leben. Könnte ich es wieder mit der gleichen Freude loslassen, wie ich es empfangen habe, gäbe es kein Problem. Und wer weiß, vielleicht bewahrt mich der Unfall vor einem noch größeren, bei dem ich selbst auch noch zu schaden käme...
Immer, wenn wir das Gefühl haben, etwas verteidigen zu müssen, weil wir es unbedingt behalten wollen, ist Vorsicht angesagt. Denn das Behaltenwollen verhindert, dass sich das Leben wandeln kann. Wenn ich Recht behalten will, verhindere ich neue Einsichten, wenn ich mein Zuhause behalten will, verhindere ich, woanders neue Erfahrungen zu machen, wenn ich an einer Beziehung festhalte, verhindere ich, dass vielleicht tiefere Erfahrungen in einer zukünftigen gemacht werden, wenn ich an meiner Freiheit festhalte, verhindere ich, mich einzulassen usw.

Loslassen
Das achte Haus lehrt, dass über die Zerstörung, über das Loslassen Umwandlung geschieht. Es ermöglicht, dem Schmerz zu begegnen, der dort liegt, wo ich zu stark festhalte. Gelingt es mir, in den Schmerz hineinzugehen, indem ich anerkennen kann, was mir geschieht, liegt dahinter die Erfahrung einer Freiheit, einer tiefen Liebe, die sich dadurch auszeichnet, dass sie sich nicht über die Bindung an ein Objekt auszeichnet, sondern als reine Kraft erfahren werden kann. Es ist erleichternd loszulassen, denn die Angst vor Verlust kann verhindern, dass man sich ganz einlässt, weil man zu beschäftigt ist, sich im sicheren Bereich zu bewegen, während man festhält. In einer Beziehung sieht das häufig so aus, dass man sich nicht wagt, auch seine unbeliebten Gefühle mitzuteilen, aus Angst dann nicht mehr geliebt zu werden. Aber genau so manifestiert sich früher oder später das, wovor man Angst hat, weil es lebt, ohne in die Gesamtpersönlichkeit integriert zu werden. Bin ich im Innersten davon überzeugt, dass mich ein geliebter Mensch früher oder später verlassen wird, dann manifestiert sich eine solche Szene auch irgendwann, weil ein Teil von mir darauf hinarbeitet, diese Erfahrung zu sammeln, während die anderen Teile damit beschäftigt sind, sie zu verhindern. Hieraus entsteht ein unbewusster Konflikt, der dem anderen misstraut und sich gleichzeitig zu versichern versucht, dass es eine solche Erfahrung nicht gibt. Enge Strukturen werden errichtet, die irgendwann einmal die Beziehung lähmen werden, weil sie nicht lebendig sind. Gelingt es mir, das Verlassen-Werden so zu desillusionieren, dass es möglich sein kann, aber nicht muss, dann kann ich weitaus mehr angstfrei zulassen als wenn das nicht geschieht. Ich weiß dann, wovor ich Angst habe und erkenne gleichzeitig, dass ich nicht “sterbe”, wenn es tatsächlich geschieht. Die tiefen Verletzungen sind immer mit dem Gefühl, sterben zu müssen, verbunden. Sie sind dort angesiedelt, wo man das Gefühl hat, sich ganz stark schützen zu müssen, dort, wo die ganz starken Süchte und Abhängigkeiten sitzen.

Der geheime Ort
Hier gewinnt der geheime Ort an Bedeutung. Er befindet sich zum einen im Inneren, nämlich dort, wo man nicht hinschauen möchte, wo man selbst Täterin, Opfer, Rächerin, Hassende, Machtlüsterne, Eifersüchtige, Rasende, Hassende ist. Weil man nicht hinschaut, können die damit verbundenen Gefühle nicht befreit werden und zur Gesamtpersönlichkeit dazu gehören und deshalb hat man so wenig Kontrolle darüber, wenn sie hervorbrechen.
An geheimen Orten, Friedhöfen, Leichenhäusern, in Räumen lustvoller Sinnlichkeit oder abgelegenen Häusern wurden früher solche Erfahrungen bewusst gesammelt. Man lernte dort, den Tod als Wirklichkeit anzuerkennen und die triebhafte Instinktwelt anzuerkennen und zu verwandeln. In einem Raum lustvoller Sinnlichkeit ist möglich, was nicht in eine “sichere” Beziehung gehört. Man kann seine “verbotenen” Fantasien ausleben und darüber vielleicht erfahren, wie die nicht integrierten sexuellen Triebe strukturiert sind. Natürlich ist es nicht notwendig, dafür extra einen solchen aufzusuchen. Man kann seine Fantasien auch einfach so zulassen und darüber lernen. Immer, wenn man selbst ein Tabu auslebt, kommt man den Schattenanteilen näher und sie verlieren dadurch ihre unbewusste Macht, die sie ausüben. Je mehr man sich ihnen annähert, desto stärker wird die Erfahrung der inneren Kraft, die einem jetzt zur Verfügung steht, weil sie nicht mehr mit dem gleichen Kraftaufwand verdrängt werden muss. Um sich mit den meist unbewussten Trieben auseinander zu setzen, braucht es sehr viel Vertrauen, Ehrlichkeit und einen geschützten Raum, der solche Erfahrungen zulässt. Das ist der geheime Ort, ein Platz, der nicht zum Alltagsleben dazu gehört, der aber aufgrund seiner Intimität Raum gibt für “gefährliche” Erfahrungen, die normalerweise vom Ego tabuisiert werden. Wagt man sich hinein, in den geheimen Ort, dann kann man dort Erfahrungen sammeln, die wirklich das Leben transformieren. Man trifft dort auch die Lust, die sich über die Bereitschaft befreit, nicht anständig zu sein, das innere “Tier” auszuleben, den “Schweinehund” zu befreien. Das Geschenk ist die Erfahrung der Leere, die Gelöstheit, die ganz von Innen kommt, weil nichts mehr verdrängt werden braucht. Die Gefahr ist, sich erneut mit dieser Lust zu identifizieren und so ganz außer Kontrolle zu geraten, wenn man nicht vorher prüft, ob der geheime Ort so sicher ist, dass man sich darin ganz unsicher fühlen kann. Die gefährlichen Gefühle sind die, die am meisten Sucht erzeugen. Es sind die Leidenschaften, die man sich erfüllen “muss”, bei denen man sich obzessiv und magnetisch angezogen fühlt, ohne etwas “dagegen tun zu können”, auch wenn der Verstand dagegen arbeitet. Schafft man es, diese auszuleben mit dem Bewusstsein, sie auch wieder loslassen zu können, dann hat man sich verwandelt und die darunter liegende Weisheit manifestiert sich in einer liebenden Einsicht, die aus dem durchlebten Schmerz geboren wird. Deshalb ist der geheime Ort der Ort der Transformation. Transformation ist eine Verwandlung, die stattfindet, nachdem man durch ein Tabu hindurchgegangen ist und einen geistigen Gewinn verzeichnen kann. Es ist eine der schwersten Übungen, sich dort hineinzuwagen und auch wieder herauszukommen. Ohne sie ist aber der Geist nicht fähig, sich selbst zu erkennen.

Das Ritual des geheimen Ortes
Suche dir einen passenden “geheimen Ort” und begib dort hinein, entweder alleine oder mit einem Menschen, dem du dein ganzes Vertrauen schenken kannst. Stell dir vor, du besuchst deine innere „Schattenkraft“. Male diese, gib ihr eine Form und einen Namen. Spüre, was er oder sie für Eigenschaften hat. Wobei empfindet die Schattenkraft Lust? Möchte sie mächtig sein, oder sich rächen oder andere quälen? Lass deiner Fantasie freien Lauf, bis du sie näher kennen gelernt hast. Male ihr Sprechblasen und schau, was sie zu sagen hat. Falls du dich schämst, lasse es zu. Beobachte, welche Erleichterung es bereitet, sich mit der Schattenkraft auseinander zu setzen. Bitte einen Mensch deines Vertrauens, ihren Part für dich zu übernehmen, damit du ihr näher kommen kannst. Wenn du alleine bist, sprich ihr trotz allem deine Anerkennung aus. Beobachte, wie sich die Kraft in dir jetzt anfühlt, wenn du ja zu ihr sagst. Tritt dann in Kommunikation und versuche, dich mit der Kraft der Schattenkraft so anzufreunden, dass sie dir zu deinem Schutz zur Verfügung steht. Suche in den kommenden Tagen immer wieder am geheimen Ort das Gespräch mit ihr und schau, was sich verändert.

Entnommen in leicht verändertet Form dem Göttinnenzyklus – von weisen Frauen, ihren Künsten und Wirkstätten, Ulla Janascheck, Cambra Skadé, Arunverlag.

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