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Psychologie der Zukunft

Von Monika Heer

Stanislav Grof, Psychologie der Zukunft, Erfahrungen der modernen Bewusstseinsforschung, 365 Seiten (2002), Edition Astroterra - ISBN: 3-907029-76-3 

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Grof gilt als einer der Pioniere der modernen Bewusstseinforschung. Mit seinem neuen Buch legt er nun eine Zusammenfassung seiner vierzigjährigen Erfahrung als Psychiater und Psychotherapeut vor. Ein dicker Wälzer, der in neun Kapiteln alle Aspekte und Facetten seiner innovativen Sichtweisen beschreibt.

Warum ist dieses Buch für Astrologen lesenswert, obwohl Grof nur im Appendix zur deutschen Ausgabe grad mal 30 Seiten über Astrologie schreibt? Es sind die Schnittstellen zwischen seiner Psychologie der Zukunft und einer Astrologie, die sich seit einigen Jahrhunderten an den allzu engen Grenzen eines materialistischen Weltbildes abarbeitet.

Grof kritisiert die gängigen akademischen Theorien mit ihren Modellvorstellungen von Psyche und Bewusstsein. Doch er bleibt nicht bei der Kritik stehen, sondern lässt uns teilhaben an seiner Erfahrung und seinem Wissen über das heilende und transformative Potential, das in der Psyche eines jeden Menschen angelegt ist.

Grofs Arbeit

In den sechziger Jahren begann er seine Erforschung außergewöhnlicher Bewusstseinszustände, zunächst im Rahmen klinischer Experimente mit LSD und anderen bewusstseinsverändernden Substanzen.
Mitte der siebziger Jahre entwickelte er eine therapeutische Methode, die mit Hilfe von beschleunigter Atmung, gezielter Körperarbeit und Musik einen Zugang zu frühen traumatischen Erfahrungen ermöglicht, das holotrope Atmen. In zahlreichen Büchern und Artikeln veröffentlichte er, häufig gemeinsam mit seiner Frau Christina, seine bahnbrechenden Erkenntnisse über die tieferen Ursachen von psychischen Störungen.

Spirituelle Krisen

Unter dem Schlagwort der „spirituellen Krise“ zeigen die Grofs, dass viele Symptome als Psychosen und schizophrene Erkrankungen fehldiagnostiziert werden. Das, was der Volksmund ganz gerne als Wahnsinn und Irre-Sein bezeichnet, ist zuweilen im Kern ein Ausdruck von traumatischen Erfahrungen während oder vor der Geburt, die im Verlauf einer spirituellen Krise plötzlich ans Tageslicht treten, mit aller Macht ins Bewusstsein drängen und dieses geradezu überschwemmen.

Die immer noch verbreitete Stigmatisierung der wahnhaften Krankheitsbilder, die Behandlung mit hochdosierten Psychopharmaka, dazu die verständliche Angst des Psychiaters vor den unkontrollierbaren Ausbrüchen psychischer Energie verhindern allzu häufig, dass ein anderer Blick, eine neue Sichtweise auf diese Krankheitsbilder möglich wird.

Hier setzt Grof an mit seiner Beschreibung der sogenannten perinatalen Matrizen. Er zeigt auf, dass viele Symptome psychischer Erkrankungen ein Heilungspotential in sich tragen, sofern ein Therapeut den Mut aufbringen kann, den wahrhaft beängstigenden Kontrollverlust seines Patienten/Klienten als Ausdruck einer tiefen und frühen Traumatisierung zu lesen. Und ein entsprechendes Setting bereitstellen kann, damit der Kranke aus dem Irrgarten seiner Psyche wieder herausfindet.

Psychologie der Zukunft...

Gleichzeitig stellt er in seinem Grundlagenwerk - fast ist man versucht, es als Lebenswerk zu bezeichnen - zahlreiche theoretische Zusammenhänge her. Außergewöhnliche Bewusstseinszustände sind vor allem in der westlichen Zivilisationskultur ein unerklärbares Phänomen, viele Religionen sowie schamanistische Praktiken und nicht zuletzt die transpersonale Psychologie arbeiten auf einer Grundlage von erweiterten Modellen zur Psyche und zum Bewusstsein mit diesen rätselhaften Phänomenen. Der Versuch, diese Rätsel zu verstehen, erfordert jedoch eine Infragestellung von konditionierten und anerzogenen Gedankenmustern, hierfür liefert Grof mit seinem Buch zahlreiche Anregungen.

...für AstrologInnen

Spätestens an dem Punkt, an dem Grof menschliches Bewusstein als Teil eines Feldes von kosmischem Bewusstsein beschreibt, wird sein Buch für AstrologInnen spannend und hochinteressant. Die archetypischen Bilder der Astrologie erscheinen als Indikatoren von individuellen Verhaltensmustern, die störanfällig sein können. Die Planeten jenseits von Saturn bilden Tore zu einem umfassenderen Bewusstein. Ein neuer Zugang zu uranischen, neptunischen und plutonischen Erfahrungen öffnet sich.

So verwundert es nicht, wenn Grof in seinem Appendix beschreibt, wie er die Transit-Astrologie und die Rhythmen der kollektiven Planeten als Diagnose-Instrument für seine Arbeit nutzt. Der amerikanische Astrologe, Psychologe und Philosoph Richard Tarnas spielte hier den Geburtshelfer.
Der astrologischen Gemeinde jedenfalls beschert dieses Buch zahlreiche Anknüpfungspunkte und erhellende Einsichten, um vor allem die Transsaturnier mit ihren Krisen als heilsame Wandlungszeiten zu begreifen. Deshalb uneingeschränkt empfehlenswert!


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