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Die Interpretation der Dispositorenkette

Von Gertrud Hamers

 Als Dispositor bezeichnet man denjenigen Planeten, der als Zeichenherrscher über einen anderen Planeten regiert. Der Dispositor zeigt uns zusätzliche Querverbindungen im Horoskop. Wir können durch ihn weitere Motive des Handelns erkennen. In gewisser Weise stellt er auch einen Erfahrungsfluss dar. Agiert der Mensch mit einer bestimmten Wesenskraft, so stößt er auf die Energie des Dispositors. 
Steht Mars im Krebs, so ist sein Dispositor Mond. Immer wenn Mars agiert, trifft er auf Mond. Das Handeln wird sehr stark auf die Gefühlswelt des Betroffenen zurückwirken. Als junger Mensch ohne viel Erfahrung wird die zeitliche Abfolge immer wieder dieselbe sein: Erst handle ich und dann spüre ich, ob mein Handeln mich erfreut, oder ob ich mir damit vielleicht gefühlsmäßige Beulen geholt habe. Im reiferen Alter sollte sich der Gestaltungsprozess in umgekehrter Reihenfolge abspielen: Erst spüre ich die Situation, lasse meine Gefühle zu Wort kommen und dann handle ich meinem Gefühl entsprechend.

Da die Dispositorenketten die anderen Deutungsebenen des Horoskops lediglich bereichern, aber nie ersetzen können, sollten wir bei der Interpretation der Ketten immer die Gegebenheiten im Radix zu Rate ziehen.

Wir wissen, dass die verschiedensten Gebilde entstehen können. Es gibt Planeten, die keinerlei Vernetzung aufweisen. Es können sich zwei Planeten wie siamesische Zwillinge aufeinander beziehen und keinen Kontakt zu den anderen haben. Wir finden Kreisläufe, bei denen alle Planeten oder ein Teil davon sich in einer kreisförmigen Kette befinden, an deren Glieder vielleicht noch ein paar Planeten angeschlossen sind. Alle diese Variationen müssen so interpretiert werden, wie sie erscheinen.

Wo fängt man mit der Interpretation an?
Generell ist es sinnvoll, auf der Ebene des Aszendenten mit der Interpretation zu beginnen. Hier liegen die ersten Lebenserfahrungen in Symbolen verschlüsselt. Wir wissen, wie sehr diese ersten Erfahrungen den Lebensverlauf beeinflussen. Sind sie traumatischer Art, so ist der Mensch aufgerufen, bei der ersten Reise durch sein Lebensskript auf der Grundlage dieses Traumas Erfahrungen zu sammeln, um sich dann bei den weiteren Durchgängen von diesen Schmerzen nach und nach zu befreien.

Starten wir bei der IC-Ebene (den Wurzeln), so können wir ergründen, was dem Menschen Basis ist und welche Kräfte ihn tragen. Hier erkennen wir auch, wie die Herkunftsfamilie zur Grundlage des Menschen beigetragen hat und welche Erfahrungen ihn dort in den ersten Jahren geprägt haben. Wir interpretieren dabei entgegengesetzt zu der Pfeilrichtung und achten auf die Positionen, die gemeinsam auf einer Ebene stehen. Positionen auf einer Ebene gehören alle zu einem "Erlebensmodell". Die Positionen der nächsten Ebene zeigen uns, wohin dieses Erlebensmodell führt, welche Kräfte es als Reaktion auf den Plan ruft. Wollen wir wissen, wie dieser Mensch seine Erfahrungen verändern oder sie bewusst gestalten kann, so interpretieren wir mit der Pfeilrichtung und erhalten hier auch den Hinweis, wie er am ehesten mit familiären Problemen zurechtkommen könnte.

Auch das MC ist ein geeigneter Einstiegspunkt. Es gibt bei der Dispositorenverknüpfung hauptsächlich darüber Auskunft, welche Erfahrungen der Mensch mit seinen "Zielvorstellungen" macht. Dieser Interpretationsbegriff ist sehr geeignet, denn er umfasst mehr als nur die berufliche Seite. Unsere Ziele können vielfältig sein und mehrere, wenn nicht gar alle Lebensbereiche umfassen. Was geschieht mit diesen Vorhaben? Gelingen sie (JU, MA, SO)? Oder lösen sie sich auf (NE, UR)? Bin ich vielleicht gar gezwungen, sie immer wieder loszulassen und grundsätzlich zu erneuern (PL)? Welchen Verlauf zeigt mir die Verknüpfung?

Möglicher Ausgangspunkt ist natürlich auch der absteigende Mondknoten, wenn wir ihn als "karmischen" Eintritt in dieses Leben betrachten. Hier wäre der Deutungsansatz mehr im spirituellen Entwicklungsprozess verankert. Der absteigende Mondknoten beinhaltet unsere urvertrauten Verhaltensweisen, all das, was wir als Ersterwartung an das Leben mitbringen. Im absteigenden Mondknoten können wir gewissermaßen die Bühne sehen, auf der das "Schauspiel Leben" gespielt wird. Er ist zunächst die "tragende Säule" unserer Erfahrungen und Handlungen. Auf das dort erkennbare Verhalten ziehen wir uns immer wieder zurück, wenn wir verunsichert sind. Und ich bin nicht wenigen Menschen begegnet, die sich auch noch in hohem Alter fast ausschließlich an diese Säule klammerten. Es ist interessant, den Weg zum aufsteigenden Mondknoten zu verfolgen. Welche Kräfte, welche Erfahrungen stützen mich bei dieser inneren Entwicklungsherausforderung? Liegen diese beiden Knotenpunkte vielleicht sogar auf einer Ebene? Dann bin ich sicher in besonderem Maße dazu aufgerufen, ein Gleichgewicht zwischen den beiden Polen herzustellen, und alle Planeten, die mit auf dieser Ebene verweilen, werden mir dabei helfen.

Besteht eine Verknüpfung aus mehreren Teilen, so ist es sinnvoll, mit den Systemteilen anzufangen, welche die wenigsten Positionen beherbergen. Hier ist die Abspaltung am stärksten zu spüren und auch die Gefahr der Verdrängung am größten. Wir starten beim letzten (untersten) Planeten einer Folge und arbeiten uns langsam entgegen der Pfeilrichtung nach oben. Wichtig ist immer das Einhalten der Ebenen, denn sie entsprechen den "Etappen" der Erfahrungen. Meist kommen alle Symbole auf einer Ebene im Leben zu Wort, bevor wir in unserer Erfahrungsmöglichkeit zur nächsten Ebene weiterschreiten.

Wollen wir etwas über den "erwachsenen", besser "weisen" Umgang mit dem Skript aussagen, beginnen wir bei einer Kette mit den Enddispositoren, bei einem Kreislauf mit den Kreisplaneten und interpretieren mit der Pfeilrichtung.

Grundsätzlich könnte man überall mit der Interpretation anfangen und die Kette verfolgen. Hier würden wir themenkonzentriert vorgehen. Ist z.B. der Klient gerade in einem Beziehungsdrama gefangen, so betrachte ich als Erstes die Venus-Ebene und die DC-Ebene und schaue, wohin diese Erfahrungen laut Skript führen.

Mehrere Gebilde, einzige Kette
Ein allein stehender Planet oder ein allein stehendes Gebilde, das von einem anderen Systemteil getrennt ist, weist immer auf einen abgespaltenen Komplex hin. Die Person wird große Schwierigkeiten haben, diese getrennten Teile in einer Gleichzeitigkeit leben zu können. Meist wird der eine Teil zurückgedrängt, wenn nicht gar ganz verdrängt und nur der andere Teil gelebt. Die Lernaufgabe besteht darin, alle Teile zu ihrem Recht kommen zu lassen, indem man sie nacheinander berücksichtigt und nicht hauptsächlich beim bequemeren Teil verweilt.

Es gibt auch Dispositorenverknüpfungen mit vielen abgespaltenen Teilen, wie wir sie z.B. bei Goethe finden. Hier muss die Person einer inneren Zerrissenheit standhalten. Diese Abspaltungen bieten allerdings auch einen großen Vorteil. Wenn in einem Gebilde eine Störung auftritt, so können die anderen Teilbereiche trotzdem noch voll aktionsfähig sein.
Hängt alles an einer Kette, so ist es zwar leichter, alle Kräfte für ein Ziel zu motivieren und einzusetzen, die Gefahr ist jedoch auch größer, dass bei Fehlschlägen plötzlich gar nichts mehr funktioniert.

Auszug aus:
Gertrud Hamers: Lebensskripte - Die Dispositorenverknüpfungen im Horoskop (Chiron Verlag 2001)
Herrscherketten im Horoskop
 
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