HomeBereiche der AstrologieVerschiedene ThemenDer Tu-Anima-Bildertest - Teil 1

Der Tu-Anima-Bildertest - Teil 1

Von Baldur Ebertin

 Dieser Bildertest hat eine Geschichte von über 50 Jahren. Damals begann Heinrich Reich (1888 – 1961), sich meditativ auf Ursymbole im Sinne der Archetypen von C. G. Jung einzustellen. In der Meditation auf Symbole wie Lebensflamme, Sonne, Mond, Alpha, Omega, Schlange, Kind, Ring, Distel, Ähre entstanden innerhalb weniger Monate 150 Bildtafeln zu 60 Symbolen, aus denen heraus Reich durch eine Art Innenschau seine farbigen Gestaltungen als abstrakte Form-Farb-Komplexe gewonnen hatte. 

Seine reichen Erfahrungen mit dem Test legte Reich in einer Reihe von Veröffentlichungen nieder, besonders in seinem Buch "Seelenbilder – Strukturanalyse der Seele durch gegenstandsfreie Bilder". (Anm. 1)

In seinem Beitrag "Durchleuchtung der Seele" führte Reich dazu aus: Während der Intellekt sich der Worte und Begriffe bedient, muß die Seele zu Symbolen greifen, um Unsagbares verständlich zu machen. Solche Symbole finden sich in der Astrologie als Planeten- und Tierkreiszeichen, zum Beispiel Sinnbilder für das Aggressive (Mars), das Joviale (Jupiter), das Mütterliche (Mond) oder ein Quadrat für eine Spannung und ein Trigon für eine Harmonie. Andere Symbole sind etwa „Ring“ für eheliche Partnerschaft oder „Messer“ für gewaltsame Trennung oder „Herz“ für Liebe ...
Sollte es möglich sein, diese seelischen Strukturen, wie sie sich in Symbolen ausdrücken, in gegenstandslosen Farb-Form-Komplexen darzustellen, so müsste auch der Versuch gelingen, durch Wahl oder Ablehnung solcher Bilder auf Grund von Sympathie oder Antipathie auf seelische Haltungen zu schließen. Es wurden gegenstandslose Bilder gemalt in der festen Absicht, einen besonderen Bestandteil des Innenlebens darzustellen. Demut oder Stolz, Koketterie oder Mütterlichkeit, Freiheit oder Zwang, nur mit Farben und Linien, also modern im besten Sinn. Tatsächlich hat sich experimentell in hunderten von Versuchen an Menschen jeglichen Alters, Geschlechts und Bildungsgrades erwiesen, daß aus diesen gegenstandslosen Bildern, unbewusst natürlich, gefühlsmäßig und vielleicht sogar spielerisch, diese in den Bildern herausmeditierten Symbole erkannt werden. Wie im Röntgenbild der innere Aufbau, die Größe und Lage von Organen und Fremdkörpern zur Darstellung kommt, so müssen sich also in diesen Röntgenbildern der Seele durch die Wahl nach Zuneigung oder Abneigung Schlüsse auf die Struktur der Seele ziehen lassen.“ (Anm. 2)

Wer war Heinrich Reich?
Reich hatte ursprünglich eine naturwissenschaftlich orientierte Ausbildung in Medizin an den Universitäten Straßburg, Göttingen und München absolviert. Ein achtjähriger Aufenthalt vor dem zweiten Weltkrieg im Fernen Osten, verbunden mit einer Dozententätigkeit an der Universität Batavia im damaligen Indonesien, und zahlreiche Reisen nach Indien, China, Japan, Korea und Neu-Guinea weckten allem Anschein nach ein zunehmend größer werdendes Interesse an den Grenzgebieten des Wissens, vor allem an der Symbolik. Nach seiner Rückkehr aus Asien arbeitete Reich als Röntgen-Facharzt in Den Haag und Berlin. Diese Art, den menschlichen Körper zu durchleuchten, war jedoch für ihn, der immer mehr in die Tiefen der menschlichen Seele eindringen wollte, auf die Dauer unbefriedigend.
Als 1945 durch die Kriegsverhältnisse die Berliner Wahlheimat verloren ging, fand Reich in München, seinem Geburtsort, eine neue Wirkungsstätte als Maler und Schriftsteller. Dort entstanden dann Bücher wie „Menschenleben zwischen Herz und Hirn“ (Anm. 3), „Das Geheimnis des Tierkreises“ (Anm. 4), „Die kosmische Prägung des Charakters“ (Anm. 5) und die Symbolbilder und Schriften über den von Reich geschaffenen Tu-Anima-Bildertest (Anm. 6).

Über die Beziehung der Testilder zur Astrologie
Unter den 36 Symbolen der Reich`schen Seelenbilder ist auch astrologische Symbolik zu finden. Dazu gehören die Symbole Sonne und Mond, Merkur, Venus und Mars, Jupiter und Saturn, wie auch die beiden Winkel oder Aspekte Trigon (Dreieck) und Quadrat. Und interessanterweise ergeben sich auffallende Beziehungen zwischen den vom Patienten gewählten astrologischen Symbolkarten und dessen Geburtsbild (Kosmogramm).

Tagtäglich gehen wir mit Zeichen, Bildern, Symbolen um, ohne dass uns dies ständig bewusst sein müsste. Verkehrszeichen oder die Logos auf Bahnhöfen und Flughäfen haben Symbolcharakter. Urtümlicher wirkt z. B. der Ring als Zeichen der Freundschaft, der Verbundenheit, der Partnerschaft; oder denken wir an das Kreuz des Christentums. Überall , wo christliches Brauchtum, christliches Gedankengut, christliche Kultur eine Rolle spielen, in Kirchen, Klöstern, Schulen, Häusern und Wohnungen finden wir das Symbol des Kreuzes.

Carl Gustav Jung, einer der bedeutendsten Vertreter der modernen Tiefenpsychologie und Symbolforschung, führte einmal aus: "Das, was wir Symbol nennen, ist ein Ausdruck, ein Name oder auch ein Bild, das uns im täglichen Leben vertraut sein kann, das aber zusätzlich zu seinem konventionellen Sinn noch besondere Nebenbedeutungen hat. Es enthält etwas Unbestimmtes, Unbekanntes oder für uns Unsichtbares ... Ein Wort oder ein Bild ist symbolisch, wenn es mehr enthält, als man auf den ersten Blick erkennen kann. Es hat dann einen weiteren unbewussten Aspekt, den man wohl nie ganz genau definieren kann. So gelangt der menschliche Geist bei der Erforschung von Symbolen zu Vorstellungen, die sich dem Zugriff des Verstandes entziehen." (Anm. 7)

Reich ging davon aus, dass die von ihm meditierte Symbolik und ihre künstlerische Darstellung beim Betrachter bestimmte Reaktionen auslösen musste. Nachdem das tatsächlich so war, bezeichnete er von da an den zunehmend aus der Praxis entstandenen Test als ein Evokations-Verfahren (evocare, lat., hervorrufen) und führte dazu aus: "Es ist also so, daß unser Test, wie die Erfahrung zeigt, eine besondere Spezifität oder Resonanz zur Dynamik seelischer Strukturen besitzt und daher sehr häufig zu seelischen Situationen paßt, wie der Schlüssel zu einem Schloß und nicht etwa wie ein Dietrich, sondern wie ein genau passender Schlüssel." (Anm. 8).

Beispiele von Symbolbildern und deren Interpretation
Die Zeit spielt im menschlichen Leben erfahrungsgemäß eine große Rolle, seien es die Vergangenheit mit bisherigen Erlebnissen und Erfahrungen, die Gegenwart mit dem erreichten Reifungsstand, die Zukunft mit den auf sie gerichteten Sehnsüchten, Wünschen und Motivationen. Diese drei Zeiten sind im TUA-Test erfasst. Als Beispiele werden nachstehend die Symbolbilder für die Vergangenheit und die Gegenwart gezeigt und deren Deutungsgehalt offengelegt:
Wird in der Testsituation das Symbol „Gebrochene Säule“ als sympathisch erlebt, dann lässt sich daraus schließen, dass der Patient bereit ist, Rückschau auf seine bisherige Vergangenheit zu nehmen, sich zu besinnen und zu erinnern. Dabei kann es sein, dass frühere Erlebnisse und Erfahrungen noch nachschwingen, vielleicht sogar im tiefsten Innern „brodeln“, aber sie wollen nachträglich nochmals angesehen und verarbeitet werden. Wird jedoch die „Gebrochene Säule“ abgelehnt, dann will der Patient mit seiner Ver-gangenheit nichts mehr zu tun haben. Frühere Traumata werden dann in die tiefsten Seelenschichten verdrängt, ohne nachträglich aufgearbeitet werden zu wollen. Eine der Folgen hieraus kann sein, dass im Laufe der Zeit erhebliche Herz- und Kreislauf-Beschwerden, Schlafstörungen, Angstzustände bis hin zu rheumatischen Schmerzen entstehen.

Die Gegenwart wird durch das Symbol „Stehende Säule“ repräsentiert. Sympathie für diese Testkarte ist dann so zu interpretieren, daß „hier und jetzt“ die anstehenden Aufgaben und Probleme angegangen werden wollen. Es besteht also die Bereitschaft, „den Stier bei den Hörnern zu fassen“.

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Abb. 1 Symbol Gebrochene Säule

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Abb. 2 Symbol Stehende Säule

Das als unsympathisch abgelehnte Symbol „Stehende Säule“ vermittelt den Eindruck, dass die gegenwärtige Situation mit möglichen Veränderungen nicht oder noch nicht gesehen und angegangen werden will. Es wird also getrödelt und gezögert.

Die Fortsetzung dieses Artikels mit einem zweiten und dritten Teil folgt.

Anmerkungen:
1) Reich, Heinrich, Seelenbilder. Strukturanalyse der Seele durch gegenstandsfreie Bilder. Lehrbuch des TUA-Testverfahrens und einer experimentellen Malerei. Geleitwort Dr. A. Sicker, Zürich 1960
2) Reich, Heinrich, Durchleuchtung der Seele, in Ztschr. Der Psychologe (Hrsg. G. H. Graber), Heft 6, Bd 3, Bern 1951
3) Reich, Heinrich, Menschenleben zwischen Herz und Hirn. Besinnungen und Bilder, Braunschweig 1948
4) Reich, Heinrich, Das Geheimnis des Tierkreises, München 1949
5) Reich, Heinrich, Die kosmische Prägung des Charakters, München 1952
6) Reich, Heinrich, Tuanima-Psychotest. München 1949, 2. Auflage München 1951
7) Jung, C. G., von Franz, M.-L., Henderson, J. L., Jacobi, J., Jaffé, A., Der Mensch und seine Symbole. S. 67ff., 5. Auflage Olten 1981
8) Reich, Seelenbilder, S. 32, a.a.O.
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