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Über die wesensmäßige Unschärfe astrologischer Analysen und Prognosen

Von Peter Schlapp

 Wie konkret können Prognosen sein? Wann immer wir als Astrologinnen und Astrologen glauben, sowohl über die Vielfalt der Anlagen eines Menschen als auch deren fortschreitende Entwicklung exakte Aussagen und konkrete Prognosen machen zu können, sollten wir sehr vorsichtig sein. 
 

Wann immer wir als Astrologinnen und Astrologen glauben, sowohl über die Vielfalt der Anlagen eines Menschen, als auch über deren fortschreitende Entwicklung, exakte Aussagen und konkrete Prognosen machen zu können, sollten wir sehr vorsichtig sein. Erste Erfahrungen mit ja auch möglichen, zutreffenden Aussagen über einen Menschen, lassen diese Vorsicht nicht nur beim astrologischen Anfänger, sondern auch beim astrologisch Fortgeschrittenen mit einem noch wenig entwickelten Bewusstsein nur allzu oft in den Hintergrund treten. Die Verführung, mit Hilfe unseres oft nur scheinbaren Wissens Macht auszuüben, ist groß. Nicht alle sind ihr gewachsen. Auf welch dünnem Eis wir uns bei unseren mehr oder weniger absolut gesetzten Aussagen und vor allem bei konkreten Prognosen bewegen, wird unmittelbar deutlich, wenn man einmal die inneren Parameter des Horoskop-Kreises nicht nur astrologisch, sondern auch geometrisch betrachtet. Mit dieser Betrachtungsweise soll in keiner Weise das Ziel verfolgt werden, die Astrologie damit wissenschaftlich-mathematisch beweisen zu wollen. Sie dient lediglich dazu, unseren Blick für die inneren Parameter des Horoskop-Kreises zu schärfen.


Der Horoskop-Kreis

Wir interpretieren den Horoskop-Kreis als die symbolische Darstellung der Wesenstotalität eines Menschen. Analog zum jahreszeitlichen Lauf der Sonne und dem nach seiner Geburt fortschreitenden Lauf der Planeten, im Sinne von Transiten oder Direktionen durch den Tierkreis, stellt die in sich geschlossene Linie des Kreis-Umfangs den Weg in der Zeit dar, den ein Mensch entsprechend der individuellen Stellung der Planeten in den einzelnen Zeichen gewählt hat zu gehen. Die Häuser, als Lebensbereiche, in denen ein Mensch tätig werden soll, stellen den Kreis-Inhalt, symbolisch den Weg im Raum dar. Die Tierkreiszeichen und die Häuser, Kreisumfang und Kreisinhalt, verbinden sich in ihrer Symbolik - neben einer ganzen Reihe anderer Parameter - zu einer gemeinsamen Aussage darüber, welchen Gesamtentwicklungsweg ein Individuum entsprechend seiner Anlagen in der Zeit und im Raum gehen soll.

Was sich dergestalt - auf den ersten Blick zunächst - als astrologisch scheinbar eindeutiger, berechen- und analysierbarer Entwicklungsweg und Handlungsraum darbietet, verliert jedoch seine Eindeutigkeit, wenn man diesen Sachverhalt einmal mathematisch-geometrisch beschreibt. Eine Berechnung des Weges in der Zeit, analog zu der Tierkreiszeichenfolge, d.h. des geometrischen Kreis-Umfangs, führt zu der Formel: 2 x r x Pi (Radius mal zwei mal Pi). Eine Berechnung des Weges im Raum, analog zur Häuserfolge, d.h. des geometrischen Kreis-Inhaltes, führt zu der Formel: r2 x Pi (Radius hoch zwei mal Pi). In beiden Rechnungen tritt ein imaginärer Faktor auf: die transzendente reelle Zahl Pi, die Kreiszahl, mit einem Annäherungswert von 3,141592653 ... (mit bisher über einer Million berechneter Stellen).

Das Auftreten der Zahl Pi zeigt an, dass sich der exakte Umfang und der exakte Inhalt eines Kreises nur mit Hilfe dieser reellen, aber transzendenten Zahl mathematisch berechnen lassen. Wenn wir diesen Sachverhalt im Sinne unserer Analogie, dass der Horoskop-Kreis die körperlich-seelisch-geistige Gesamtheit eines Menschen beinhaltet und symbolisch widerspiegelt, nun wieder auf die Astrologie und die Überzeugung vieler Astrologen, aus diesem Kreis exakte Aussagen ableiten zu können, zurückübertragen, dann stellt sich die Frage, wie sie mit diesem reellen, aber transzendenten Faktor Pi in ihrer Analyse und ihren Prognosen umgehen.


Fragen zur Deutungsfindung

Fragen wir zunächst einmal, wie in der Regel der Findungsweg aussieht, auf dem Astrologen zu einer Beschreibung der Anlagen eines Klienten und ihren Empfehlungen für deren optimale Entwicklung kommen. Üblicherweise setzen sie die durch die individuelle Stellung der Planeten markierten Zeichen- und Häuserbesetzungen in Beziehung zueinander. Diese Beziehungen ergeben sich im Sinne des klassischen Dreischrittes, indem sie jeden jeweiligen Ausgangsplaneten so behandeln, als stünde er als These für einen bestimmten körperlichen, seelischen oder geistigen Lebensausdruck eines Menschen. Aus einer ganzen Fülle anderer Faktoren, z.B. Aspekten, dem Gegenzeichen oder zeitlichen Auslösungen zu diesem Planeten ergibt sich dann die Antithese. Aus dem Spannungsverhältnis zwischen These und Antithese werden dann die Anlagen und Entwicklungsmöglichkeiten eines Menschen im Sinne einer Synthese abgeleitet. Diese Vorgehensweise wird durch die Jahrhunderte alte Tradition und Empirie der Astrologie legitimiert. Bei aller Eleganz kann dieses Vorgehen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass damit keine exakten oder absoluten Definitionen der Anlagen und Entwicklungsmöglichkeiten eines Menschen getroffen werden können, da sich - wie gezeigt werden soll - der Weg eines Menschen, sowohl in der Zeit als auch im Raum einer absoluten Definition und einer entsprechenden astrologischen Beschreibung und Festlegung entzieht.

Im Prinzip liegen wir mit dieser Analysemethode ja richtig. Die Symbolik der in Pi enthaltenen Zahl Drei (3,... ) ist sowohl Bestandteil des klassischen Dreischrittes, als eben auch der Zahl Pi. Der Vergleich zeigt jedoch, dass bei der Zahl Pi die Drei durch eine schier unendliche Zahl von Dezimalstellen erweitert wird. Unsere These-Antithese-Synthese-Rechnung, die astrologisch so glatt aufzugehen scheint, weist im Vergleich mit ihrem mathematisch-geometrischen Analogon einen zunächst scheinbaren Unschärfefaktor - die Folge der Dezimalstellen - auf, der jedoch bei genauerer Betrachtung gar nicht so unscharf ist. Jede zunächst eindeutige Synthese, wie sie sich in der Zahl Drei (3, ...) spiegelt, muss um einen Faktor erweitert werden, der sich aber seinem Wesen nach eben nicht wirklich unscharf, sondern im Gegenteil sehr scharf, nämlich als ein konkretes Plus von 0,141592653... darstellt.

 

Der Faktor 3 und die Vielfalt hinter dem Komma

Nun können wir als Astrologen ja in der Regel schon zufrieden sein, wenn wir in der Summe der Gesamtanalyse eines Menschen den reinen Faktor Drei erreichen. Zu einer absoluten Aussage über einen Menschen und vorschnellen Festlegungen über seinen Entwicklungsweg in der Zeit und im Raum reicht er jedoch nicht aus. Es wäre doch durchaus denkbar, dass sich die wahre Wirklichkeit eines Menschen vielleicht erst über den besonderen Ausdruck, wie er sich beispielsweise über der fünften oder elften Dezimalstelle darstellt, offenbart. Die auf den ersten Blick im Horoskop so scheinbar eindeutig abgebildete Wesenswirklichkeit eines Menschen, scheint über die Anwesenheit dieser unzähligen Dezimalstellen und den daraus abzuleitenden, unzählig vielen Dezimal-Ausdrucksweisen eines Menschen, um etwas Unwägbares bereichert. Sich mit einer Analyse und konkreten Prognosen über das, was vor dem Komma, also der Drei und dem Dreischritt steht, zu begnügen, bedeutet, die Vielfalt der hinter dem Komma verborgenen, im Einzelfall aber gleichwohl wirkenden und den Gesamtlebensausdruck eines Menschen letztlich auch mitbestimmenden Kräfte zu ignorieren.

 

Die Kunst der Interpretation

Dieser kleine mathematisch-geometrisch-astrologische Exkurs sollte vor allem die Astrologinnen und Astrologen, die der Astrologie das ihr gebührende Ansehen dadurch zu verschaffen suchen, dass sie sie wissenschaftlichen, hier mathematisch-geometrischen Gesetzmäßigkeiten angleichen, vielleicht auch unterwerfen wollen, veranlassen, ihre diesbezüglichen Bemühungen zu überdenken. Vielleicht ist es ja so, dass alles, was vor dem Komma steht, zur Not auch wissenschaftlich abgeleitet werden könnte. Bei allem, was jedoch hinter dem Komma steht, verweigert sich die Astrologie einer rein wissenschaftlichen Analyse. Hier beginnen ganz allgemein die Kunst und im Besonderen die Kunst der Interpretation durch den Astrologen als bestimmende Faktoren der Astrologie.

 

 

Kreis-Umfang - Weg in der Zeit

Analog dem Verlauf der Tierkreiszeichen

2 x r x Pi

(Radius mal zwei mal Pi)

Kreis-Inhalt - Weg im Raum

Analog dem Verlauf der Häuser

r2 x Pi

(Radius hoch zwei mal Pi)

Die transzendente reelle Zahl Pi, die Kreiszahl,

berechnet von Ludolph van Ceulen (1540 - 1610),

hat einen Annäherungswert von

3,141592653 .......

(mit bisher über einer Million berechneter Stellen)

 


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